It’s never too late to make art! – Die Illustratorin Lisa Congdon

Bildschirmfoto 2015-09-28 um 20.42.46It’s never too late to make art!” Nehmt euch das zu Herzen, liebe Leute, denn: Die Illustratorin Lisa Congdon zeigt uns, dass man auch noch in den späten 30ern eine professionelle Karriere aufziehen kann. Alle Uhren auf Anfang und volle Kraft voraus! Wie das geht? Das lest und hört ihr jetzt hier.

Ich habe Biologie studiert, und als mir klar wurde, dass ich niemals als Biologin arbeiten möchte, hörte ich immer: “Jetzt noch das Feld wechseln, uff. Man wird ja nicht jünger, das ist keine gute Idee.” – Hä, ich war doch erst Anfang 20? Da kam ich echt ins Grübeln. Jetzt schon alt? Alles vorbei? Die Verwirrung war groß und ich habe erst versucht, mich anzupassen – widerstrebend. Mich fügen ist aber nicht mein Ding. Daher habe ich die Bedenken in den Wind geschlagen und mir nach dem Studium gedacht: Mir egal, ich gehe jetzt nach Hamburg, Malen und Schiff fahren! Und zack, hier bin ich – eine Illustratorin.

So easy, wie das jetzt klingt, war das jedoch nicht. Natürlich klemmte ich nächtelang am Rechner und googelte mir einen Wolf. Ich brauchte Tipps, wie man das anstellt – Illustratorin werden, einfach so, ohne Studium, ohne alles – ein Mädchen, das keiner kannte, bewaffnet mit ein paar Stiften und unscharf umrissenen Ideen. Also durchsuchte ich manisch das Internet nach Hinweisen, wie meine ambitionierten Pläne funktionieren könnten.
Meine wilden Online-Recherchen führten mich nach einer Weile zur Illustratorin Lisa Congdon – ebenfalls jemand, der Zeit brauchte, sich zu orientieren. Ihr Werdegang hat mich sehr inspiriert und mir den Anstoß gegeben, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen.
Ich finde ihre Illustrationen und ihren verschwurbelten (super Wort, oder?) Lebensweg toll. Daher möchte ich euch ihre farbenfrohen und abstrakten Bilder nicht vorenthalten:
 

 

Gebrochene Lebensläufe werden hier in Deutschland immer noch misstrauisch beäugt; in den Staaten hingegen ist das nicht unüblich, vor allem jedoch nicht so “verdächtig”. In meinen Augen ist es absurd, mit 19 oder noch jünger zu entscheiden, wer man denn nun bitte sein ganzes Leben lang sein möchte. Rückblickend sage ich: Puh, zum Glück habe ich damals nicht schon Kunst studieren können. Ich war einfach noch nicht so weit, das wäre nicht gut gegangen. Man sollte sich erst einmal ausloten, ausprobieren, sich mit sich selbst auseinandersetzen. Man muss zu Hause ausziehen, etwas Studieren oder eine Ausbildung anfangen und auch keine Angst haben zu sagen: “Oh, das ist irgendwie doch nichts für mich.” Denn ein Garant dafür, sich sein Leben zu verhunzen ist es, an Dingen oder Menschen aus dem Grund festzuhalten, “weil man das nunmal so macht”.

Anfangs war es ein reines Hobby. Hättest du mir vor 10 Jahren erzählt, dass ich mein Geld mal als Illustratorin verdienen würde, hätte ich dir gesagt, du seist komplett verrückt. – Lisa in The Great Discontent

Lisa Congdon hat Kunstgeschichte studiert und arbeitete als Grundschullehrerin. Ihre Mutter ist sogar Künstlerin, jedoch hat Lisa selbst nie den Wunsch verspürt, ebenfalls in diesem Feld zu arbeiten. Mehr noch: Bis sie 32 war, hatte sie sogar nie gemalt. Die Motivation dazu entsprang ihrem stressigen Job, zu dem sie sich einen kreativen Ausgleich suchte: Collagen, kleine Zeichnungen, Muster.

Richtig Anklang bei anderen Leuten fand dann ihr Projekt “A Collection A Day“. Jeden Tag sammelte und fotografierte sie eine Gruppe von zufälligen Gegenständen, die sie interessant fand, und stellte das Foto dann online – 365 Tage lang. Was dabei herauskam, war eine kleine visuell ansprechende Wanderung durch das Leben dieser Frau; eine Wanderung, der sich hunderte Fans nach und nach anschlossen.

Natürlich waren da auch Zweifel. Jetzt, mit Ende 30, noch einmal eine Karriere starten? Macht man sowas, macht das überhaupt Sinn?

Spoiler: Ja, macht es! Und total viel Spaß noch dazu. Wie ganz wunderbar das funktionieren kann, erzählt Lisa zum Beispiel hier in diesem Interview. Alle, die in ihrem 9-to-5-Design-Job hängen und von einer Karriere als Illustrator/in träumen, sollten sich das unbedingt ansehen – und auch schon mal die Bleistifte spitzen:

 

 

Tja, und nun? Lisa Congdons Karriere floriert – aktuell ist sie auch für 40 women over 40 nominiert. Ihre Klienten sind zum Beispiel das MoMA, Airbnb, Chronicle Books, The Land of Nod, Simon & Schuster, Cloud9 Fabrics und sehr viele andere.
Lisa – es läuft für dich! Und ich finde das prima.

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