Studie: „Lust oder Frust in der Medienbranche“

Anfang Juli habe ich euch vom neuen Startup Skjlls erzählt. Dort wird euch ein Gehaltsvergleich geboten, der sich nicht auf variierende und obskure Jobbezeichnungen, sondern auf ganz konkrete Fähigkeiten bezieht.

Die Jungs und Mädels dort haben aber nicht geschlafen, sondern fleißig an ihrer von Februar bis April 2015 laufenden und recht umfangreichen Studie „Lust oder Frust in der Medienbranche“ gearbeitet. Es wurden 80.000 Einzelantworten gesammelt und ausgewertet – puh. Die Ergebnisse basieren auf 1.089 anonymen Datensätzen, jedoch streichen Skjlls heraus, dass die Ergebnisse nicht zwingend repräsentativ sind.

Die ausführlichen Ergebnisse und deren Auswertung findet ihr hier. Ich habe euch kurz einige Punkte herausgefiltert:

Zufriedenheit: “Fast 50% finden ihren Job als „meistens spannend“. 10% sind aus dem Häuschen. Der Rest leidet.”

Hierbei betrachten jedoch die meisten der kreativen Kollegen die Sache sehr nüchtern: Sie sind weder zufrieden noch unzufrieden, bei den Frauen zeigt sich aber dennoch eine leichte Tendenz, eher unzufrieden zu sein. Freelancer scheinen am Beginn ihrer Karriere glücklicher als Festangestellte zu sein, jedoch dreht sich dieses Verhältnis im Laufe des Berufslebens um. Die Festangestellten werden immer glücklicher und die Freelancer hingegen immer unzufriedener (S.16 ff). Eine ähnliche Entwicklung lässt sich auch in der Gehaltsfrage beobachten (S. 41 ff).

Gehalt: “Im Schnitt jauchzt niemand vor Glück. Aber es gibt auch wenig Wehklagen.”

Seien wir ehrlich: Wir hätten eigentlich alle Verwendung für etwas mehr Knete. All in all kommen die Studienteilnehmer aber klar und bewerten das relativ neutral. Herauszustreichen ist, dass die Zufriedenheit mit dem monatlichen Geldeingang bei den Festangestellten mit dem Alter steigt, während die Freelancer hier ebenfalls unzufriedener werden (S.41 ff).

Nicht gut: Die “Gender-Gap” findet sich auch hier. Männliche Festangestellte verdienen nach diesen Erhebungen im Schnitt 31% mehr als ihre weiblichen Kollegen (S.84 ff). Am krassesten tut sich diese Lücke bei Konzeptern und Strategen auf: Hier ergibt sich eine durchschnittliche Differenz von 31%. In Zahlen: Konzepterinnen verdienen durchschnittlich über 1.700 EUR/Monat weniger als ihre männlichen Kollegen.
Am kleinsten ist die Gehaltslücke bei Frontend Developern. Hier beläuft sich der Gehaltsunterschied auf 3%.

Auch unter uns Freiberuflern tut sich eine Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern auf, die jedoch etwa um die Hälfte kleiner ist: Freelancerinnen berechnen im Durchschnitt 15% niedrigere Tagessätze als ihre männlichen Kollegen.

Stress & Arbeitsmoral: “Größte Burnout-Kandidaten: Konzepter, Strategen und Copywriter.”

Konfuse Projektabläufe, kaum einzuhaltende Deadlines, drängelnde Kunden: Stress ist uns wohl allen ein Begriff. Hierbei zeigt sich, dass sich gerade die Berufseinsteiger unter den Studienteilnehmern am gestresstesten fühlen. Zudem geben mehr Männer als Frauen an, im Beruf extreme Stressbelastungen zu erleben (S.70 ff)

“Mehr als zehn Prozent der Festangestellten hat innerlich bereits gekündigt.”

Aufmerken ließ mich dabei die Feststellung, dass die höchsten Werte bei Berufseinsteigerinnen zu finden sind – huch? Nach den Angaben der Teilnehmerinnen hat jede fünfte schon kurz nach dem Einstieg in die neue Tätigkeit innerlich gekündigt. Erst nach 6-9 Jahren im Job (!) halbiert sich dieser Wert und fällt nach und nach immer weiter ab. Bei den männlichen Befragten hingegen verdoppelt sich das Gefühl der inneren Kündigung nach 3-5 Jahren im Job rapide (S.75 ff) – die Entwicklung läuft also umgekehrt.

“Durchschnittlich verschenkt jeder durch Überstunden bis zur Rente 6 Jahre seiner Lebenszeit.”

Überstunden – wir alle kennen, machen und hassen sie, eh klar. Die durchschnittlich angegebene Wochenarbeitszeit liegt in der Branche bei 46:08 Stunden. Bis zu ihrer Rente leisten die befragten Angestellten 6,5 Jahre an Überstunden ab, wobei sage und schreibe 75% der Befragten angeben, keinerlei Ausgleich zu erhalten – autsch (S.38 ff)! Man schenkt seinen Arbeitgebern also Jahre seines Lebens, und der Dank fällt oft eher dürftig aus:

“Als Ausgleich für Überstunden gibt es meistens Freizeit. Geld gibt’s selten. Manchmal gibt’s einfach nur Lob.”

Da verwundert es nicht, dass die Loyalität der Angestellten eher schwach ausfällt. Die Hälfte der Befragten gibt an, bei einem besseren Jobangebot sofort Schreibtischpflanze und Kugelschreiber einzupacken und ohne viel Federlesens zu wechseln (S.79 ff). Einige denken noch eine Weile darüber nach und wägen ab, kaum jemand lehnt ab – und wenn, dann eher zu Beginn der Berufslaufbahn im aktuellen Unternehmen.

Bei Freelancern sieht es an dieser Stelle etwas besser ist. Die meisten stellen ihre geleisteten Überstunden nachträglich in Rechnung, bekommen also eine finanzielle Entschädigung.

Fazit

Beim Lesen der kompletten Studie gab es jetzt keine wirkliche Überraschung für mich persönlich, da ich selbst in der Kreativbranche tätig bin. Es weht manchmal ein harter Wind und man sollte seine Profession wirklich lieben, um den stressbeladenen und vielleicht nicht immer super bezahlten Job zu mögen und dabei auch wirklich Spaß zu haben. Zudem kann man natürlich Glück oder Pech mit Arbeitgebern und Auftraggebern haben.

Insgesamt halte ich die Studie für eine interessante Informationsquelle für junge Leute oder Quereinsteiger, die überlegen, eine berufliche Laufbahn in dieser Branche zu starten. Auch, wenn die Studie nicht wirklich repräsentativ ist, bekommt man ein Gefühl für das subjektive Erleben der Studienteilnehmer, was auch schon eine Menge aussagt.

Einige Infografiken/Statistiken aus der Studie:

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