Vorgestellt: Comic Artist & Illustrator Moritz Stetter

Locken und Geschichten erzählen! Viele von euch würden jetzt sagen: “Jo, das bist du”, but nope – it is Moritz Stetter, ein freiberuflicher Comiczeichner und Illustrator aus Hamburg.
Ich habe ihn auf einem Willkommenfest für Flüchtlinge im Karoviertel kennengelernt, wo wir uns hinsetzten, Menschen portraitierten, Biere tranken und plauderten.

Und genau das ist das, was Moritz gerne macht: Menschen beobachten, portraitieren, Geschichten erzählen, in Bildern denken. Charakteristisch ist dabei seine kräftige und treibende Strichführung, die jedes seiner Panel oder Illus zu unglaublich mitreißenden Szenerien macht.

Bekannt wurde er durch seine gezeichneten Biographien von Bonhoeffer und Luther. Seine aktuellste Arbeit ist die gezeichnete Version von Kafkas “Das Urteil“, die er auch auf der Frankfurter Buchmesse 2015 vorgestellt hat. Parallel setzt er sich auch gern auf Hochzeiten dazu, trinkt ein Gläschen und hält die Gäste und das Brautpaar in schönen schnellen Zeichnungen fest; die perfekte Alternative zum üblichen Hochzeitsfotografen.

Ich habe ihm für euch ein paar Fragen gestellt:

Wie kamst du eigentlich zur Illustration?

Durch eine verhängnisvolle Verkettung von Umständen in einer Phase meines Lebens, als ich sehr beeinflussbar war und ein großes Kontingent an zu füllender Zeit mein eigen nannte. Als ich noch familiären Strukturen ausgesetzt war, besaßen wir kein TV-Gerät, Heimcomputer gab es nicht, und so fing ich an, rumzukritzeln und mir eigene Geschichten auszudenken. Und hab nie wieder damit aufgehört.

Geschichten, Stichwort. Du Bist ja auch (oder vor allem?) Comic Artist. Wovon handeln die Geschichten, die du erzählst?

Ich würde sagen, vor allem. Die Verbindung von Literatur und bildender Kunst in sequentieller Abfolge macht einen völlig eigenen Reiz aus, der so in keinem anderen Medium zu finden ist. Ich mag, dass der Leser sein Tempo selbst bestimmen kann, dass er zurückblättern und bei einem Bild verweilen kann. Und ich mag das Underdogimage , die erzählerischen und gestalterischen Freiheiten, die das nur bedingt kommerzielle Potenzial des Mediums mit sich bringen. In meinen Geschichten geht es vor allem um Dinge die ich sehe und erlebe, die mich beschäftigen. Das Schönste ist, wenn andere Menschen sich darin spiegeln und erkennen können, und im besten Fall ein Denkprozess entsteht. Oder wenn man jemanden zum Lachen bringt. Oder zum weinen.

Und wie sieht es bei dir aus? Welche Comics reißen dich so richtig mit, hast du da Tipps?

“Blast” von Manu Larcenet ist erzählerisch wie gestalterisch das Großartigste was ich seit langem erleben durfte. Der Mann hat ein brachiales, furchtloses künstlerisches Statement gesetzt, an dem sich alle anderen Comiczeichner die nächsten Jahre erstmal abarbeiten müssen. Andere französische Zeichner wie Joann Sfar, Christoph Blain, David B. sind auch absolut State of the Art und unglaublich inspirierend. “Sandburg” von Frederik Peeters ist auch ein sehr empfehlenswertes Buch! Und Michael DeForge!

(c) Mike Krüger 2015

(c) Mike Krüger 2015

Okay. Wie sieht denn so der typische Arbeitstag bei dir aus?

Den gibt es nicht. Manchmal zeichne ich den ganzen Tag wie manisch, manchmal verdödel ich viel Zeit, oder geh spazieren um auf Ideen zu kommen. Oder entscheide bei Sonnenschein spontan, doch nicht zu arbeiten. Wenn ich einen größeren Auftrag habe erfordert das natürlich ein Mindestmaß an Disziplin, aber allgemein gehöre ich nicht zu denen, für die Kreativität viel mit Disziplin zu tun hat. Die Dinge kommen meist zu dir wenn du sie am wenigsten erwartest.

Das bedeutet, dass du keine speziellen Strategien hast, um kreativ zu werden?

Nee. Hast du ein paar für mich?

Ich habe gehört, der KUNSTREBELLIN Blog soll ganz gut sein! Nagut, Spaß beiseite. Unter deinen ganzen Werken: Hast du da einen Liebling? Und wenn ja: Wieso?

Ich glaube am zufriedensten ist man doch immer mit seiner aktuellsten Arbeit. Was wahrscheinlich viel damit zu tun hat, dass es immer 2, 3 Jahre dauert, bis man sie einigermaßen objektiv bewerten kann. Also ist mein Liebling im Moment “Das Urteil”. Ich glaube, ich bin mit diesem Buch meinen Ansprüchen an mich selbst ein Stück näher gekommen.

"Gefahrenzone" von Moritz Stetter

“Gefahrenzone” von Moritz Stetter

Welche Ansprüche hast du denn?

Wie vorhin schon erwähnt, Menschen zum Denken, Lachen und Weinen bringen. Am besten alles auf einmal. Ich möchte noch viel furchtloser werden und gedankliche Limitierungen überwinden. Und nie aufhören dazuzulernen.

Okay. Hast du am Ende noch einen Rat für angehende Comiczeichner? Einen Tipp? Etwas Pathos? Oder doch eher was Knackiges?

Es ist unter vielen Gesichtspunkten sicher nicht “ratsam”, Comiczeichner zu werden, aber wenn es wirklich das ist was dein Herz erfreut und du dir nichts anderes so wirklich vorstellen kannst, dann wirst du deinen Weg schon gehen und es dir von niemandem ausreden lassen.

Ach ja, und vergiss das mit den Fluchtpunkten.

Und tusche Panelrahmen nicht mit dem Lineal!

Und an Zeichner allgemein: Hört auf, beim Aktzeichnen mit dem Stift die Abstände zu messen.

Und schmeißt eure Staffeleien weg.

Alles klar. Ich muss jetzt los, meine Staffelei wegschmeißen. Danke für das Gespräch!

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